13. Februar 2020 - 16. März 2020

Ausstellung: Full House

Ein Full House besteht aus fünf Karten. Was beim Pokern sichtbar auf der Hand liegt, ist in der Kunst oft unvorhersehbar: welche Kombinationen erzielen welche Wirkung?

In der Ausstellung „Full House“ in der Seidlvilla stehen sich fünf verschiedene Positionen zeitgenössischer Kunst aus den Bereichen Fotografie, Malerei undGrafik gegenüber. Fünf Künstler*innen spielen hier ihre Karten aus. Berührungspunkte entstehen, zeigen das Leben als Summe verschiedener Wirklichkeitsebenen. Auch bluffen ist erlaubt.

Gezeigt werden Arbeiten von Lena Bröcker, Raphael Brunner, Saskia Espermüller, Angela Fechter und Nicola Müller.

Lena Bröcker beschäftigt sich mit Phänomenen der Natur und ihrer Wahrnehmung. Dabei setzt sie sich mit unterschiedlichen, oft auch entlegenen wissenschaftlichen Fachgebieten auseinander, denen sie sich mit analytischer Neugierde nähert. Aus der Untersuchung sich wiederholender Grundformen der Natur leitet sie ein Vokabular ab, das sie in künstlerische Ausdrucksformen übersetzt. Dabei entstehen Zeichnungen, die an Bildhauerei erinnern und bildhauerische Arbeiten, die wie Zeichnungen aussehen.

Auch die bildnerischen Vorlagen für Nicola Müllers Cut Outs entstammen im weitesten Sinne wissenschaftlichem bzw. musealem Kontext. Ihre reproduzierten Vorlagen sind jedoch meist inszenierte Landschaften oder nachgestellte Natur, wie im naturhistorischen Museum oder botanischen Garten. Mit dem Skalpell schneidet sie aus Fotografien nach und nach Linien und Flächen heraus, bis durch das Abtragen und Sezieren neue Bildausschnitte entstehen. Eine gezielte Verfehlung konventioneller Dreidimensionalität und doch wird weniger ein Illusionsraum aufgebaut als vielmehr ein Bildraum Schicht für Schicht abgetragen. Die fragmentierten Abzüge wieder übereinandergelegt bilden ein Gewirr aus Linien, die sich zu einer neuen Raumordnung zusammenfügen.

Angela Fechter verlässt mit ihren erzählerisch-fotografischen Bildern das Terrain des Objektiven. Inspiriert von den düsteren Stories Edgar Allen Poes, öffnen Angela Fechters Fotografien die Möglichkeit zu einer neuen Deutung der berühmten Vorlage. Ihre Bilder in den schaurig-schönen Kulissen eines verlassenen Hauses lassen Raum in alle Richtungen: Vielleicht ist hier Tieftrauriges geschehen, vielleicht war es auch ganz anders?

Bei Saskia Espermüller wird der Erzählraum der bildnerischen Möglichkeiten durch eine Wucht von Farben und Formspielen erweitert, mit denen sie gefundene Fotografien und Fotofragmente überschreibt. Dabei fokussiert sie Details und lässt hinter dem Gesehenen eine andere, zweite oder dritte Welt vermuten. So werden aus dem harmlos erscheinenden Ausgangsmaterial schillernd-gefährlich anmutende Collagen. Schichtungen durch Überschreibung finden sich auch in Espermüllers Malerei. Natur- und Landschaftsraum werden als abstraktes Prinzip wiedererkennbar.

In der Malerei von Raphael Brunner begegnen sich Figuren, Dinge, Orte genau so frei, unvermittelt und widersprüchlich, ernsthaft wie komisch, wie sie es in unseren Gedanken tun. Die Bilder sind übersetzt in eine reduzierte Malerei, die Fläche und Farbe liebt. Sonnen, Wasser, der sich häufig wiederholende Kreis als Grundform, mittendrin ein Mensch oder etwas, was eine Spur des Menschen trägt. Der Lottokopf erzählt von der Suche nach der Ordnung der Dinge in unseren Köpfen. Der Verdacht, dass alles nur Zufall sein könnte, steht im Raum. Farbe bringt meist Orientierung ins Bild. Im großen Lottokopf fehlen die Farben. Die Kugeln sind alle gleich und es wird wohl egal sein wann und wohin welche Kugel fällt...

Die Ausstellung ist vom 14. Februar bis zum 26. März täglich (außer am 22., 23. und 25. 2.) von 12 bis 19 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei.

Zur Eröffnung am 13. 2. um 19 Uhr laden wir herzlich ein!

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